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Ruder-ABC für Einsteiger

(Quelle Schweizerischer Ruderverband)

Blick in die Vergangenheit

Die heutigen Sportarten wurzeln oft in uralten Traditionen, sind aber als Wettkampfdisziplinen kaum älter als etwa 100 Jahre. Das Rudern bildet hier eine Ausnahme: Erste Ruderwettkämpfe wurden bereits vor 250 Jahren in England ausgetragen. Seeleute massen ihre Kräfte in schweren Einer-Booten. Die englischen Hochschulen nehmen um 1800 Rudern in ihr Programm auf. 1811 fand in Eton das erste Achterrennen statt. 1892 massen sich auf der Themse die Achter der Universitäten Oxford und Cambridge. Diesen berühmten Wettkampf gibt es auch heute noch. 1839 wurde in Henley die erste Regatta ausgetragen.

SRV und FISA

Dem Schweizer Ruderverband (SRV) gehören rund 80 Rudervereine, Ruderverbände und Regattavereine an. Er ist Gründungsmitglied des Internationalen Ruderverbandes, der FISA (Fédération Internationale des Sociétés d’Aviron). Wie die drei andern Gründungsmitglieder (Belgien, Frankreich und Italien) hat der SRV in der FISA ein dreifaches Stimmrecht. Seit 50 Jahren standen immer Schweizer an der Spitze der FISA. Heute ist es der ehemalige Spitzenruderer Denis Oswald. Die FISA umfasst 104 nationale Ruderverbände.

Phasenbild eines einzelnen Schlages. Druckphase: Wasserfassen (1-2), Durchzug (3-7), Freilaufphase: Finish (8-11), Vorrollen (12-15).

Schlagzahl

Mit Schlagzahl bezeichnet man die Anzahl Ruderschläge pro Minute. Spitzenboote erreichen bei Sportentscheidungen 38-44 Schläge. Im Ausdauer-Training wird während längerer Zeit eine Schlagzahl von 24-30 eingehalten. Die Geschwindigkeit des Bootes hängt aber nicht nur von der Schlagzahl ab, sondern auch von der Schlaglänge und vom Druck auf dem Blatt. Was für den Menschen der Puls, ist für das Rennboot die Schlagzahl. Der trainierte Ruderer hat ein feinentwickeltes Gespür für die Höhe der Schlagzahl, mit welcher er im Kampf um die Sekunden den Gegner besiegen kann. Die Schlagzahl wird vom Schlagmann bestimmt. Schlagmann ist der Mann am Heck, dessen Ruder alle Kameraden ständig sehen.

Tempo, Tempo, Tempo

In den acht Bootsklassen wird unterschiedlich schnell gerudert. Am schwersten tun sich die Athleten im Zweier mit. Man nennt dieses Boot auch Galeere, weil zwei einen dritten mitschleppen müssen. Gute Zeiten des Zweiers mit liegen unter 7:00 Minuten. Am schnellsten sind stets die Achter. Trotz des Steuermanns hat der einzelne Ruderer hier am wenigsten Reibungswiderstand zu überwinden. Von den besten Achtern werden unter günstigen Bedingungen Zeiten unter 5:30 Minuten oder Durchschnittsgeschwindigkeiten von knapp 21km/h erreicht. Zum Vergleich: Die besten 3000-m-Läufer - auch sie sind weniger als acht Minuten unterwegs - erzielen Geschwindigkeiten von gegen 24 km/h. Apropos Gewicht des Steuermanns: Das Wettkampfreglement bestimmt, dass er mindestens 50kg wiegen muss. Ist er leichter, so sind die fehlenden Pfunde als sogenanntes Totgewicht (Steine, Sandsack usw.) unmittelbar bei seinem Sitz mitzuführen. Zu diesem Zweck müssen sich die Steuerleute, wie die Leichtgewichtsruderer, vor dem Start einer Wägeprozedur unterziehen.


Regatten

Die Rennveranstaltungen der Ruderer nennt man Regatten. Die wichtigsten sind selbstverständlich jene der Olympischen Spiele und die Weltmeisterschaften. Weltmeisterschaften finden jedes Jahr statt, soweit keine Olympischen Spiele stattfinden. Dabei werden Rennen in folgenden Bootsklassen ausgetragen:

Männer:
Einer (Skiff)
Doppelzweier
Doppelvierer
Zweier ohne Steuermann
Zweier mit Steuermann
Vierer ohne Steuermann
Vierer mit Steuermann
Achter

Frauen:
Einer (Skiff),
Doppelzweier,
Zweier ohne Steuermann,
Doppelvierer ohne Steuermann,
Vierer ohne Steuermann,
Achter.

Die Bezeichnungen mit Steuermann und ohne Steuermann können zu Fehlschlüssen führen. Alle Riemenboote müssen gesteuert werden. Wo kein Steuermann vorhanden ist, führt man das Steuer mit dem Fuss. Dabei ergibt sich eine Schwierigkeit: Die Ruderer blicken zurück, Richtung Start. Sie merken sich deshalb einen festen Punkt und steuern nach ihm. Dagegen verfügen die Skullboote über keinen Steuermechanismus und werden einzig durch die Ruderbewegung auf Kurs gehalten.

Die verschiedenen Alters- und Gewichtskategorien

Die Regatten werden in folgenden Kategorien ausgeschrieben:

Junioren
Junioren 13/14 Jahre
Junioren 15/16 Jahre
Junioren 17/18 Jahre

Senioren
Senioren B (19-22 Jahre)
Senioren A

Bei den Junioren und Senioren Herren werden alle acht olympischen Bootsklassen gefahren, den Damen ist der Start im 2+ und im 4+ vorenthalten.

Masters

ab 27. Altersjahr

Leichtgewichte/Schwergewichte

All diejenigen Ruderinnen und Ruderer, welche nicht die nachstehenden Kriterien punkto Gewichtsklasse erreichen, haben in der offenen (schweren) Kategorie zu starten. (Bei den Junioren existieren keine Leichtgewichtskategorien). Die Leichtgewichtsherrenkategorien beschränken sich auf 1x, 2x, 4x, 2-, 4- und 8+, die Leichtgewichtsdamen starten nur im 1x, 2x und 4x.

Für Leichtgewichtsruderer gilt folgendes: Bei den Männern darf das Durchschnittsgewicht einer Mannschaft (ohne Steuermann) 70kg nicht überschreiten. Das Gewicht eines einzelnen Ruderers darf 72,5kg nicht überschreiten. Für den Einer-Ruderer beträgt das Höchstgewicht 72,5kg. Bei den Frauen darf das Durchschnittsgewicht einer Mannschaft (ohne Steuerfrau) 57kg nicht überschreiten. Das Gewicht einer einzelnen Ruderin darf 59kg nicht überschreiten. Für eine Ruderin ist das Höchstgewicht auf 59kg festgesetzt.

Rudern, ein Sport für Mädchen und Jungen, für Frauen und Männer - der Sport für Dich, für Sie!